Chronik

 

Der Steeler Kanu Club kann mittlerweile auf eine über 80jährige Vereinsgeschichte zurückblicken.
In dieser Zeitspanne bildete der SKC mit seinem Bootshaus für viele Generationen den Mittelpunkt des gemeinsamen Sports und des gemeinsamen Schaffens für den Sport. Auch die wechselhaften Ereignisse des letzten Jahrhunderts blieben nicht ohne Einfluß auf die Geschichte des Vereins.
Doch solch langen Zeiträume haben auch die Nebenwirkung, dass die Erinnerung an die Geschehnisse der Vergangenheit zu verblassen drohen. Mit diesem ersten Teil der Vereinschronik wollen wir die Ideen und Ideale der Gründer- und Aufbaugenerationen allen Interessierten zugänglich machen.
Vorerst wird der Zeitraum vom Gründungsjahr 1923 bis 1963 behandelt, der durch die erfolgreiche sportliche Entwicklung und die Entstehung des Bootshauses geprägt ist.

Inhaltsverzeichnis:

* 1923-1927
* 1928-1945
* 1945-1952
* 1953-1958
* 1958-1963



1923-1927 Die Jahre des Anfangs

Das Jahr 1923 war gekennzeichnet durch den politischen Klassenkampf. Es herrschte wirtschaftliche Scheinblüte, die ein baldiges Ende im nahen endgültigen Verfall der deutschen Währung finden sollte. Unsere engere Heimat war noch von den Franzosen besetzt. Die Menschen jener Zeit wollten die Folgen des verlorenen Krieges überwinden; sie sehnten sich nach freier Entfaltung Die einen fanden sie in der politischen Agitation, andere suchten sie in der sportlichen Betätigung.

Der Kanu-Sport steckte noch in den Kinderschuhen. Zwar war neun Jahre vorher (1914) in Hamburg der Deutsche Kanu-Verband schon gegründet und machte in seinen Hochburgen Hamburg und Leipzig auch von sich reden, doch der neue Sport hatte in Essen erst 1922 sichtbare Form gefunden, als sich in der Baldeney die ersten beiden Vereine gegründet hatten. Was Wunder, daß sich in dem Ruhrstädtchen Steele, das damals noch selbständig war, junge Leute fanden, die ebenfalls mit leichten und möglichst zerlegbaren Booten kleine und schnellfließende Flüsse befahren wollten, die den Ruderbooten vorenthalten waren.

Im "Lindenhof" zu Steele fand am 24. Juni 1923 die Gründungsversammlung statt, an der 13 Personen - 10 aus Steele und 3 aus Essen - teilnahmen. Von den Gründern ist den ?lteren Mitgliedern noch Ludwig Zost bekannt, der später auch 1. Vorsitzender wurde und uns sein Leben lang nahestand. Der neugegründete Verein erhielt den Namen "Steeler Kanu-Club", später e. V., den er heute noch führt. Schon in der ersten Versammlung einigte man sich über den Clubstander, in dem sich die Steeler Stadtfarben schwarz-gelb und aus dem Stadtwappen die drei verschlungenen Ringe wiederfanden.

Kuriosum der Inflation

Zwei Millionen Mark leistete der Club damals als Teilzahlung für Hausstander und Bootswimpel an die Bonner Fahnenfabrik, der Rest wurde in Franc und Dollar erledigt. Dem DKV wurde eine Spende von 50.000 Mark überwiesen, für die Teilnahme an den Kampfspielen in Gothenburg. DKVer machten dort erste Bekanntschaft mit dem Schwedenkajak. 30 Millionen Mark wurden später auf die Mitglieder umgelegt für die Bezahlung der Zeitschrift "Kanu-Sport" für zwei Monate.

Für den Bootshausfonds wurden die erste Umlage von monatlich 5,- RM (neue Währung) beschlossen und harte Strafen für kleine Vergehen, wie Fehlen oder Zuspätkommen bei Versammlungen usw. Im August l923 gestaltete man einen offiziellen Empfang für zwei Kameraden, die mit ihrem Boot die Ostsee befahren hatten und von diesem Erlebnis zurückkehrten. Ab April 1924 gab es die erste Trainingsverpflichtung. Vier Rennfahrer waren beteiligt, von denen eine Zweiermannschaft auf einer Ruhr-Regatta die Bestzeit fuhr, jedoch noch außer Konkurrenz, da man noch nicht Mitglied des Verbandes war.

In den Deutschen Kanu-Verband wurde der SKC Ende 1924 aufgenommen, nachdem die beiden Essener Vereine für ihn gebürgt hatten. Im gleichen Jahre fand der SKC auch seine erste feste Bootsunterkunft, und zwar - nachdem die verschiedensten Eigenbaupläne mangels Grundstück und Mittel aufgegeben wurden - oberhalb der Steeler Ruhrbrücke am linken Ruhrufer in der alten Scheune neben der Gastwirtschaft Bockelkamp. Zwei starre und zwei Faltboote stellten im Anfang den Bootspark dar; außerdem ein Segelboot. Um den Bootsbau zu beschleunigen, war Nichtbootsbesitzern durch Versammlungsbeschluß eine Frist gesetzt bis zum nächsten Anpaddeln; der Winter sollte zum Selbstbau genutzt werden.

Mit wachsender Boots- und Mitgliederzahl stieg auch die Anzahl der Wanderfahrten; mindestens alle zwei Monate mußte sich jedes Mitglied an einer dieser größeren Fahrten beteiligen. Oktober 1924 stieg die erste Clubmeisterschaft. Die Gebrüder Erich und Walter Schön, Heinz Schlien und Richard Pauls waren inzwischen dem Club beigetreten. Diese vier machten bald von sich reden, insbesondere Walter Schön als Sportwart und Mädchen für alles und Richard Pauls als erfolgreicher Rennfahrer und Trainer. 1925 meldete sich der erste Jugendliche an (Herbert Sänger). In hartem Ringen wurde ein Versammlungsbeschluß gefaßt, daß nunmehr auch Jugendlichen die Aufnahme freistehe. Dem ersten Jugendlichen folgten bald einige andere, darunter Hermann Herkommer. Er wurde mit Herbert Sänger zu einer Zweiermannschaft zusammengestellt, der es 1927 bei den Hindenburg-Wettkämpfen gelang, für den SKC das erste Siegerdiplom einer Jugendmannschaft zu erringen. Die beiden durften im Schatten der erfolgreichen Junioren bzw. Senioren Richard Pauls und Willi Ellerich von Regatta zu Regatta ziehen. Fahrgeld und Startgeld, das verstand sich, zahlte jeder aus eigener Tasche. In dieser Zeit wuchs die Mitgliederzahl auf 30 heran, darunter auch einige Damen.

Das Wasserwandern trat hinter dem Rennsport nicht zurück; die beiden Arten ließen sich gar nicht trennen, denn bei allen Wanderfahrten fand man die Rennsportler in vorderster Linie. Eine jährliche Ruhrstaffel, Sonnenwendfeiern mit Lagerfeuer, Fuchsjagden auf dem Wasser waren außer den Wanderfahrten und Regatten die erhebenden Ereignisse im Club, an denen sich stets fast alle Mitglieder beteiligten. In der großen Familie des DKV (damals 300 Vereine) focht man Freundschaftsbande zu vielen Vereinen in nah und fern. 1924 wurde z. B, mit dem WS Hanseat Hamburg der erste Freundschaftsstander getauscht.

Das Polo-Spiel in Booten kam auf. Auch hierbei erprobten sich die SKCer. Die Anschaffung eines Satzes Polo-Boote scheiterte jedoch an den fehlenden Mitte In. In der zweiten Hälfte des Jahres 1926 beherrschten Sorgen in der Vereinspolitik das Feld; die Bootsunterkunft wurde zu eng. Das Angebot, den SKC mit dem nebenan gegründeten Verein "Vewara" zu fusionieren und mit die- sem ein gemeinsames Bootshaus zu bauen, erregte die Gemüter. In dieser Zeit wuchs bereits die Erwerbslosigkeit, von der auch eine gro6e Anzahl unserer Mitglieder erfaßt wurde. Schließlich kam es im Jahre 1927 zu einer entscheidenden Versammlung, in der sich die eine Hälfte der Mitglieder für den Zusammenschluß mit der "Vewara" aussprach und die andere dagegen. Ludwig Zost, damaliger Vorsitzender, ließ durch seine Stimme das Pendel gegen den Zusammenschluß und damit für die Erhaltung des SKC ausschlagen. Die Folge war der Austritt der Hälfte der Mitglieder. Es kam noch schlimmer. Unmögliches Verhalten des Gastwirtes führte zur Kündigung des Mietvertrages. Im Oktober 1927 erfolgte ein spontaner Aufbruch des "Fähnleins der dreizehn Aufrechten". Man löste die Seile des Bootssteges und fuhr mit allen Booten talwärts zur Spillenburg, am Unterwassergraben der historischen Mühle.

Die Wichtigkeit des Standortwechsels kam erst viele Jahre später zur Geltung. Kamen doch durch diesen Umzug an die Bergerhausener Grenze die Männer in den Einzugsbereich des Vereins, die in den Jahren des entscheidenden Aufbaues nach dem Kriege mehr als die Hälfte der aktiven Baumannschaft stellten. -

Hier fanden die Gebrüder Schön, deren Tun sich ihr rüstiger und jugendbegeisterter Vater anschloß, Gehör beim Wirt Overrath, mehr noch bei der goldigen Wirtin "Tante Hedwig", die uns bis zu ihrem Tode Gutes tat.

Eine Wagenremise, in die das Dutzend Boote nur dann hineinpaßte, wenn sie aufeinandergepackt wurden, war die neue Bootsunterkunft; eine schräge Kutscherstube und ein Heuboden wurden Club- und Umkleideraum, hierzu bauten wir im Pferdestall eine Brausemöglichkeit. Letztere waren in Ordnung, doch der Bootsschuppen eine Zumutung ebenso wie die Dachkammer als "Clubraum", kaum daß die beiden Feldbetten der "Kanustation" darin Platz fanden. Wie besessen trachtete die verschworene Gemeinschaft nach einem Ausweg. Das Einsehen des damaligen Rentmeisters Bornemann der Vittinghoff-Schell'schen Rentei, die Eigentümerin der Besitzung war, verhalf unseren Unterhändlern zum Erfolg. Wir erhielten pachtweise eine kleine Parzelle des Hausgartens für den Bau einer Bootshalle. Walter Schön hatte sie auf dem Papier schnell konstruiert. Nun lag es an der Ausführung und diese kostete Geld, viel Geld für die damalige Zeit. 7000,- RM waren notwendig. Wir verhandelten mit Sparkassen, Banken und Bauunternehmern. Die Bedingungen waren hart und für uns nicht erfüllbar. Mit den kargen Gehältern der jungen Leute - von denen der Lehrlinge gar nicht zu reden - war es unmöglich, die genügende Sicherheit für die Geldgeber zu bieten. Da sah der Jugendliche Hermann Herkommer eine Chance. Ein ihm bekannter Bauunternehmer - Franz Kunz - vertraute unserer Kreditwürdigkeit. Er half. Er finanzierte die Materialbeschaffung und stellte auch einige Maurer. Das Ausschachten und alle Hand- langerdienste jedoch mußten die Mitglieder leisten. An jedem Abend, an jedem Wochenende war die Mannschaft zur Stelle; bemerkenswert, daß Marianne Schlien, unsere jetzige Frau Krüger, ihren männlichen Kameraden hierbei nichts nachgab. Der Bau wuchs schnell, ebenso wie die Schwielen in den Händen der Mitglieder. Alle hatten den Miet- und Bürgschaftsvertrag unterschrieben. Die Abzahlungsrate von monatlich 50,- RM zahlten wir jahrelang. Sie war so bemessen, daß der Club trotzdem leben konnte. Mit dieser Regelung war einer der wesentlichsten Abschnitte des bisherigen Clubgeschehens zum Guten gewendet. Der Club hatte sein Fundament.

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1928 bis zur Nachkriegszeit

Dieses erste eigene Bootshaus des SKC war ein langgestrecktes einstöckiges Gebäude mit flachem Dach. Ein Drittel war Clubraum und in dem Rest Platz für ca. 40 Boote. Die Umgebung der aus dem 17. Jahrhundert stammenden Spillenburg hatte noch echte ländliche Romantik. Die Westfalenstraße, an der die Gaststätte lag, glich einem Hohlweg mit Postkutschenbetrieb, durch den zufällig eine Stratßenbahn fuhr; das Gelände um das Bootshaus war der Gemüsegarten der Spillenburg; der Schlüssel zum Bootshaus lag für "Spätheimkehrer" im Hundezwinger der Gaststätte. Das Herausfahren aus dem Unterwassergraben, an dem das Bootshaus lag, wurde durch eine Schnelle unterhalb der Eisenbahnbrücke jedesmal zu einem Wagnis. Manches SKC-Paddel ging hier beim Stromauffahren zu Bruch, und viele erlebten hier ihre erste Kenterung. Anfänger und Besucher "fuhren" die Schnelle meist mit Hilfe der Treidelleine.

Das war die Bleibe, an der es den SKC vergönnt war, elf glückliche Jahre zu verbringen. Frohes Leben herrschte im neuerrichteten Bootshaus, neue Mitglieder traten hinzu, so daß schnell das halbe Hundert erreicht war. Vorsitzender zu dieser Zeit war Heinz Schlien. Sportlich traten neben den schon erwähnten Senioren die Gebrüder Erich und Kurt Ibe hervor. Erstmals ab 1929 zahlte der Verein die Startgelder. Die Betroffenen lohnten es durch rege Beteiligung an den Regatten und Wanderfahrten Schon ein Jahr später ist man in der Lage, einen bezahlten Bootshauswart zu beschäftigen, ein Posten, den später lange Jahre der allen alten SKCern unvergessene Heinrich Henscheidt bekleidete. Ein Rennzweier wird gekauft, den Fahrern aber auch erstmals wieder eine feste Trainingsverpflichtung abverlangt. Obwohl die Erwerbslosigkeit vieler Mitglieder zu besonderen Maßnahmen zwingt, wird 1932 das Jahr der bisher größten sportlichen Erfolge. Viele fröhliche Veranstaltungen finden statt, bei denen der seinerzeitige Vorsitzende Hermann Boldt seinen Humor und sein Organisationsvermögen unter Beweis stellt. Das Zehnjährige des Vereins wird im Steeler Stadtgarten gefeiert. Im gleichen Jahr erfolgt die Gleichschaltung des DKV. Schon das nächste Jahr bringt die Bestellung der Vereinsführer. Im SKC ist Hermann Herkommer dazu ausersehen. Er macht es unter neuem Zeichen, jedoch in der alten traditionellen Art. Erfreulicher in der gleichen Zeit ist die Beschaffung von zwei Rennfaltbooten. Der Wandersport erlebt in den nächsten Jahren eine Blütezeit, während der Rennsport etwas zurückgeht. Doch fährt in dieser Zeit Willi Ellerich seinen 50. und 51. Sieg. Auch anläßlich der Deutschen Meisterschaften in Essen macht der SKC von sich reden und zwar durch die einzigartige Vorführung des Eskimokenterns im Viererkajak mit Steuermann. Um dem Rennsport Auftrieb zu geben, wird ein Zweierkajak gekauft.

Diese glücklichen Jahre fanden ihr jähes Ende mit dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges. Das Gros der Kameraden wurde zum Frontdienst eingezogen. Viele Jahre sollten vergehen, ehe sich SKCer zu neuem Beginnen zusammenschließen konnten. Große Lücken riß der Krieg in unsere Reihen. Vierzehn Kameraden ließen ihr Leben an den Fronten. Auch unser Bootshaus blieb nicht verschont.

Den Auftakt machten die Wassermassen der zerbombten Möhnetalsperre, die es bis zum Dach überfluteten. Dank des schnellen Zugreifens der wenigen verbliebenen Kameraden konnten alle Boote in Sicherheit gebracht werden. Wiederholt wurde in der Folgezeit das Bootshaus durch Bombentreffer beschädigt, 1944 die Umkleideräume völlig zerstört. Wlassow-Soldaten stellten ihre Pferde unter und Hausrat von Ausgebombten wurde abgestellt. Flüchtlinge wurden in das Bootshaus eingewiesen und bewohnten es bis zum Ende des Jahres 1947. Während dieser turbulenten Kriegs- und Nachkriegszeit waren es insbesondere die Familien Willi Klein und Hugo Kuhlmann sowie Hermann Ruhnau, die den Wimpel des SKC aufrechthielten. Beim Wiederauffinden der 12 gestohlenen Boote von insgesamt 19 wurde Hermann Ruhnaus Ausdauer belohnt.

Dies war die Situation, die die nach und nach aus Krieg und Gefangenschaft zurückkehrenden SKCer antrafen. Die Frage war: Resignation, das Sichabfinden mit den Gegebenheiten oder Bauen. In einer Zeit, Ende 1946, die gekennzeichnet war durch persönliche Not und den Kampf ums nackte Dasein, fiel erstaunlicherweise die Entscheidung für das Bauen. Stürmisch gefordert von den Jungen, zögernd - der Schwere der Aufgabe bewußt - von den Älteren.

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Zweiter Bauabschnitt 1945-1952

Welcher Optimismus. Man hatte Kameraden des Nachbarvereins Rothe Mühle, die völlig um ihr Bootshaus gekommen waren, in Obhut genommen. Werner Kannegießer damaliger Vorsitzender, abgelöst von Walter Zinke stellten den Bauantrag. Ferdi Reuter als Baumensch machte den Fachmann und das Organisationsgenie. In englischer Sprache mußte der Bauantrag den Kontrollorganen der Besatzungsmacht zugeleitet werden mit der Versicherung, daß keine bewirtschafteten Baustoffe Verwendung fanden. Von Trümmergrundstücken erwarb man die Eisenträger, ganze Putzkolonnen gingen über das Wochenende an die Ruinen in der Stadt und klopften und putzten Ziegelsteine in Mengen.

Während dieser Zeit der Vorbereitung und Beschaffung erwies sich der Bau eines Pumpwerkes an der Spillenburg und dadurch notwendig gewordenes Ausbaggern des Unterwassergrabens als ein Segen für den Verein, dessen Früchte uns noch heute zugute kommen. Es gelang den Vorsitzenden, die verantwortlichen Herren des Ruhrverbandes zu überzeugen, daß es billiger sei, das Baggergut auf unserem Gelände aufzuschütten. Wir wurden dadurch praktisch hochwasserfrei; für die eingesparten Transportkosten wurde uns der Bau einer Treppe zu unserem Bootssteg versprochen. Im Zuge dieser Arbeiten wurden im Juni 1947 auch die Felsen der Schnelle gesprengt.

Hermann Herkommer, 1947 zurückgekehrt, machte sich zur Aufgabe, den inzwischen abgelaufenen Pachtvertrag zu verlängern und beim Eigentümer ein Erbbaurecht zu erwirken. Bis ins Jahr 1950 zogen sich die Verhandlungen. Wieder zeigte die Freiherrlich von Vittinghoff Schell'sche Renteiverwaltung unter Herrn Assessor Wieschhölter ihr Entgegenkommen. Am 5. Juli l950 entstand der notarielle Erbpachtvertrag für 55 Jahre. Er war auch die Grundlage für die Beschaffung von Landesmitteln, die den Bau der Kastellanwohnung, die 1952 erstmalig bezogen werden konnte, ermöglichten. Ein Wegerecht sicherte uns der Vertrag ebenfalls zu. Inzwischen war Hermann Herkommer zum Vorsitzenden gewählt, er rief die Mannschaft auf, durchzuhalten und wenn das Bauen noch solange dauern würde. Drangvolle sechs Jahre dauerte es, immer im Wettstreit zwischen Baufortschritt und aufkommendem Hang zur sportlichen Betätigung. Bauen - trainieren, Arbeitsdienst und Regatten, das waren die Stationen und Ziele, die in Einklang zu bringen waren. Viele Kameraden wurden es leid und sprangen ab, doch der Kern der Gemeinschaft hielt durch. Es war eine harte Prüfung. Das Ehrenmitglied Walter Schön und sein alter, aber rüstiger Vater bewiesen ihre Mithilfe, wo immer sie konnten. In schwieriger Zeit, als zeitweilig der Arbeitsdienstwille zu erlahmen drohte, half die Baufirma Brüggemann, die selbst aufs engste mit dem Kanusport verknüpft war. Hart traf uns die zur Reinhaltung der Gewässer notwendig gewordene Bauauflage zu einer kostspieligen Dreikammergrube. Durch Eigenhilfe konnte jedoch allein hier ein Betrag von ca. 4000,- DM eingespart werden. Im Mai 1950 erhielten wir die erste Beihilfe aus Totomitteln in Höhe von 3000,- DM. Das gab Auftrieb.

Endlich ist es soweit, die Fertigstellung rückt näher. Am 6. Januar 1951 findet die erste Monatsversammlung wieder in unseren fertiggestellten eigenen Räumen statt. Die Mitgliederzahl hatte die Zahl 100 erreicht. Im Jahre 1952 stiftet Walter Schön zur Erinnerung an seinen gefallenen Bruder den Erich-Schön-Gedächtnispreis.

Die Einweihung des zweiten Bauabschnittes, der dem Haus ein zweites Geschoß gab, zwei Clubräume, Umkleideräume für Damen und Herren, eine Toilette, eine Außenbrause und die schon genannte Kastellanwohnung, konnte im Jahre 1953 nach sechs Jahren Bauzeit und zum 30jährigen Bestehen des Clubs erfolgen. Wir fanden eine gute Presse, und ehrenhafte Persönlichkeiten der Stadt und des Verbandes sowie der Nachbarvereine, die uns die Anerkennung für die Eigenleistung offen kundgaben.

Die SKC-Familie wuchs nun wieder stark an. Das Jahr 1953 brachte uns noch eine wichtige Neuschöpfung. Eine Vereinsmitteilung, "Süllrand" genannt, die monatlich erscheinen sollte, wurde erstmalig aufgelegt Dieses Blatt dient seit dieser Zeit den SKCern als ständige Brücke und ist heute nicht mehr wegzudenken. Ihr erster Redakteur war der langjährige verdiente Schriftführer Fritz Baier.

1955 übernahm der alte Praktiker Herbert Sänger den Sport. Er konnte die vielen bei der Bootshauseinweihung getauften Boote mit seinen Männern von Regatta zu Regatta führen, mit wachsendem Erfolg als Ausdruck unermüdlicher Erziehungsarbeit. Sein Wirken zeigte in den Folgejahren reiche Früchte. 1957 gewann der SKC die Ruhrstaffel und hielt diesen Erfolg fünf Jahre hintereinander, ebenso wie den Sieg der Essener Stadtmeisterschaften ab 1959 bis 1962. Ein namhafter Erfolg gelang unserer Vierermannschaft 1958; Ebert/ Müller/ Kappert/ G. Ulrich erzielten in der Juniorenklasse auf der Deutschen Meisterschaft in Berlin den zweiten Platz auf der langen Strecke. In der gleichen Disziplin wurde Friedhelm Ebert 1960 und 1961 Dritter im Kampf um die Deutsche Meisterschaft.

Lagen diese achtbaren Erfolge bei der Rennmannschaft, so standen ihr die Wanderfahrer nicht nach, Die ersten goldenen Wanderfahrerabzeichen errangen die Kameraden Rosenkranz und Ruhnau. Frau Vulkers setzte später diese Reihe fort. Eine große Anzahl der bronzenen und silbernen Ausführung dieser Auszeichnung hefteten unsere Kameraden an ihren Dreß.

Bedeutsam waren in diesen Jahren die Gemeinschaftsfahrten mit Omnibus, Faltboot und Zelt auf vielen Flüssen und gemeinsame Ferienzeltlager am Edersee, in Holstein usw.

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Dritter Bauabschnitt 1953 -1958

Waren mit dem im Jahre 1953 verabschiedeten Bauabschnitt die Kriegsschäden an der Bootshalle beseitigt und die verlorengegangenen Nebengelasse durch die Aufstockung zurückgewonnen, so ergab sich durch die wachsende Anzahl der Rennboote und den Zugang neuer Mitglieder mit eigenen Faltbooten schon in den beiden folgenden Jahren der dringende Bedarf nach Erweiterung der Bootsplatzkapazität unter besonderer Berücksichtigung von Plätzen für die 11 m langen Viererkajaks. Aufnahmeinteressenten mußten aus Mangel an Bootsplätzen abgewiesen werden. Die gerade überwundene sechsjährige Bauzeit, in der die Mitglieder durch weit über 10.000 geleistete Arbeitsstunden in ihrem Willen zur Eigenhilfe bis auf äußerste strapaziert wurden, ließ die meisten von ihnen schon bei dem Gedanken an ein Wiederaufleben der Bautätigkeit zurückschrecken. Man wollte endlich ungestört seinem Sport nachgehen können. Doch echte Kanuten vergessen solche Nöte schnell, Bereits im April 1955 gab es erste Beratungen über die notwendige Bootshauserweiterung, Der Zufall wollte es, daß um diese Zeit einige namhafte Kameraden der Kanuabteilung des Steeler Schwimmvereins das abhängige Abteilungsleben leid waren und mit Einverständnis des Hauptvereins zu uns übersiedelten. Unter ihnen Heinz Ulrich und Heinrich Goebel. Beide alte Kanusportler und voll von Unternehmungsgeist befruchteten das neue Vorhaben wesentlich und spielten in dem bald gegründeten Bauausschuß tüchtig mit. Die äußeren Verhältnisse hatten sich normalisiert; das Angebot der öffentlichen Hand, gesunde Bestrebungen der Sportler zu fördern, lag vor, obwohl es infolge verwaltungstechnischer Vorschriften nicht leicht war, es zu ergreifen. Man plante und baute eine zweite Bootshalle, Jugendumkleideräume für Mädchen und Jungen mit je einem Brauseraum im Erdgescho6 sowie einen Aufenthalts- und Versammlungsraum mit umlaufender Veranda im Obergeschoß. Auf 40.000 DM war das Projekt veranschlagt; mit den Nebenkosten durch Änderungen am bestehenden Bau wuchs die Summe auf 51.000 DM an. Dieses Projekt war nur zu bewältigen mit Hilfe der Zuschüsse und Darlehen, die uns die Landesregierung, der Landessportbund und die Stadt Essen bewilligten. Mit Dankbarkeit stellten wir fest, daß 60 % der Bausumme mit den genannten Mitteln aufgebracht werden konnten und für die Eigenleistung unserer Mitglieder nur 40% verblieben. Aus dem vorhergehenden Bauabschnitt hatten wir die umgekehrte Zahl noch in Erinnerung. An dieser Stelle seien einige Kameraden erwähnt, die sich durch anhaltenden persönlichen Einsatz besonders bewährten und seit Jahren und über Jahre den Kern der Arbeitsmannschaft bildeten: W. Klein, E, Paul, W. Baldszun, Gebr. Kuhlmann, F. Murawski, H. Püsch, W. Borm und andere, ihre Nennung erfolgt stellvertretend für alle übrigen Helfer, alt und jung, deren oft 30 bis 40 an der Zahl zur Stelle waren.

Bewundernswert auch das Verständnis, das unsere Ehefrauen der "Freizeitgestaltung" ihrer Männer entgegenbrachten, sowie deren eigenes Mühen um die Pflege und Sauberhaltung unserer Räume. Daß die jeweils im Vorstand wirkenden Kameraden auch in der praktischen Arbeit am Bau immer in vorderster Reihe standen, ist beim SKC ein Charakteristikum; es wurde früher schon und wird auch heute noch für selbstverständlich gehalten.

Anfang 1957 begonnen, konnte der dritte Bauabschnitt am 22. Juni 1958, im 35. Jahr unseres Bestehens, in feierlicher Form beendet und das vollständige Bootshaus, in dem alle notwendigen Räume und Anlagen unter einem Dach vereint waren, zur Benutzung übergeben werden. Zwölf wertvolle clubeigene Rennboote ? davon drei Vierer-, ein Motor-Trainingsboot und ein Segelboot, fanden in der geräumigen neuen Halle Platz. Unsere Mitgliederzahl stieg nach dieser Etappe um weitere 50 auf 150.

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1958-1963

In diesen Jahren standen einige unserer Vorstandskameraden in allen übergeordneten Gremien des Kanusports, im Bezirksvorstand, bei der Gründung des Kanuregattavereins Baldeneysee und der Durchführung seiner vielen Veranstaltungen auf dem Baldeneysee wie bei der IG Baldeney mit ihrem Einsatz in vorderen Reihen. Auch viele Mitglieder waren als freiwillige Helfer bei der Durchführung der Regatten beteiligt; sehr maßgeblich bei der Deutschen Meisterschaft 1959, deren kassentechnische Organisation einer unserer Kameraden leitete. Im Jahre 1962, als die von der Stadt Essen geschaffene neue Regattaanlage am See mit der Großen Internationalen Kanu-Regatta eingeweiht wurde, halfen auch wir, diese Generalprobe, die zu einem einzig dastehenden Ereignis wurde, zu bestehen. Es wurde dankend anerkannt, daß der SKC seine große Zielglocke für den neuen Zielturm spendete. Sie war das einzige Requisit der Vergangenheit, die Schachtglocke einer längst vergessenen Kohlenzeche in Steele, die sich einfügen ließ in das Moderne. Manchem Kanuten und Ruderer wird sie in kommenden Jahren durch ihren Klang das erreichte Ziel anläuten, hoffentlich auch vielen Kajakfahrern des SKC, die in den Jahren seit 1955 nicht weniger als 146mal auf einer Vielzahl von Regatten als Erste durchs Ziel fuhren.

Das Leben im Club fand manche Bereicherung durch regelmäßige Film- und Dia-Abende, Tischtennisturniere, Turnen und Schwimmen in den Hallen während der Winterzeit, aber auch fröhliche Feste stets unter Mitwirkung der bewährten Hauskapelle und der künstlerischen Hand von H. Todtenhöfer, dessen selbstgefertigte Stücke längst zum Zierat unseres Hauses geworden sind.bewährten Hauskapelle und der künstlerischen Hand von H. Todtenhöfer, dessen selbstgefertigte Stücke längst zum Zierat unseres Hauses geworden sind.

Mit dem erweiterten Bootshaus war unsere kleine Erbpachtparzelle bis auf wenige Quadratmeter bebaut. Ende 1958 kamen durch ein äußeres Ereignis neue Sorgen auf den Vorstand zu. Die altertümliche Westfalenstraße sollte ausgebaut und auf moderne Fahrbahnbreite gebracht werden. Zu diesem Zweck mußte die um 1600 erbaute Gaststätte Spillenburg in unmittelbarer Nachbarschaft niedergelegt werden. Damit wurde uns die Ausübung des Wegerechtes, das wir an Zugang und Hof der Gaststätte hatten, vereitelt. Das westlich des Bootshauses gelegene frühere Gartengelände, das nur noch vereinzelt zu solchen Zwecken genutzt wurde, nahm ungeheure Aushubmassen, die beim Bau der Straße anfielen, auf sie türmten sich dort zu hohen Bergen. Wieder war es der verständnisvolle Bevollmächtigte unseres Grundeigentümers, Herr Assessor Wieschhölter, der unserem Vorsitzenden Entgegenkommen zeigte, als er den Wunsch des SKC auf Zupachtung des ganzen Geländes aussprach und um Unterstützung bei den Verhandlungen mit der Stadt, die auf die Erlangung einer eigenen Zufahrt zum Bootshaus gerichtet waren, bat. Die Zusage zur Erweiterung des Pachtgeländes ermutigte uns, auf diesem einen kleinen Sportplatz anzulegen, eingerahmt von einer grünen Böschung straßenseitig und einer ausgedehnten Zeltwiese wasserseitig. Mit 2680 Arbeitsstunden, wiederum von den Mitgliedern freiwillig geleistet, und mit 1000 DM an eigenen Geldern sowie mit einer abermals gewährten Finanzhilfe der Landesregierung und der Stadt konnte auch dieses Vorhaben bewältigt und im Jahre l960 fertiggestellt werden. Die Einrichtung einer eigenen Kantine und der Erwerb der Schankkonzession, die dem jungen Mitgliedsehepaar Löbbert mit ihrem Einzug in das Bootshaus zur Handhabung übergeben wurden, waren weitere Auswirkungen der Straßenerweiterung. Andererseits war damit aber der provisorischen Kantinenführung, die einige unserer Kameraden bis dahin ehrenamtlich führten, ein Ende gesetzt.

So stand der SKC zum Zeitpunkt seines 40jährigen Bestehens im Begriff, den Schlußstrich unter den Bau einer zweckvoll abgerundeten Sport- und Erholungsstätte zu setzen, die noch um eine Kinderspielecke mit Geräten, Sandkasten und Planschbecken ergänzt wurde, damit auch die Kleinsten aus unseren Reihen teilhaben können an gemeinsamer Erholung und Freude, zu deren Zweck letzten Endes alle Mühe aufgewendet wurde. Bei der großen Bedeutung, die ein eigenes Bootshaus für das Schicksal eines Kanusportvereins besitzt, ist es nicht verwunderlich, daß sich das Vereinsgeschehen um diesen Mittelpunkt dreht. Kanusportler sind bereit, für diese Anlage große Opfer zu bringen, weil sie in ihr eine Stätte sehen, in der sie ihre Freizeit nach eigenem Belieben gestalten können.

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Die Autoren dieses Textes sind die ehemaligen Vorstandsmitglieder aus dem Jahr 1963: Hermann Herkommer(+) und Walter Zinke(+) sowie Alfred Heitmann(+).

Weitere Zeitabschnitte sind in Vorbereitung.

 

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